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"Wir
sind Kunst"
[Intro]
Hier kommt eine Kunstmusik in zunächst deutscher Sprache,
rings um Fasching und Karneval,
rings um eine Veranstaltung mit Mummenschanz,
hinein in eine Veranstaltung mit Kostümierten,
hinein in etwas Schönes: Nämlich einen Umzug.
Wir kommen aus der Vorstadt.
Und hier durchwandern wir die Stadtmitte.
[Vers 1]
Gibt es unmögliche Stellen für Kunst?
Ja. Die Not. Die Sparsamkeit. Die Diktatur. Die Zensur.
Das Dumpfe. Das Enttäuschte. Eine Welt ohne Publikum.
Ist also Kunst etwas Seltenes?
Ja. Ein Geschenk. Eine Herausforderung. Eine Begegnung.
Der Versuch einer Antwort.
Natürlich oft die Frage.
Und warum laufen wir nun mit im Faschingsumzug einer Stadt,
die eigentlich gar keinen Fasching hat?
Als Begegnung. Als Herausforderung.
Als Weg hinein in ein Publikum, das sehr gemischt ist.
Viel mehr gemischt sind diese Besucher eines Umzugs an Karneval,
als es das Kunstpublikum ist.
Was ist denn das Kunstpublikum?
Eine Seltenheit. Ein Geschenk.
Eine Herausforderung. Eine Begegnung.
[Refrain 1]
Laufen wir los! Schauen wir uns um! Genießen wir,
im Umzug zu sein statt Zuschauer zu bleiben.
Wagen wir, verstecken wir, werben wir,
spielen wir und bleiben wir dabei erwachsen.
Wir sind Kunst. Vielfalt steckt da drin.
Wir sind Spiel mit Sinn.
[Vers 2]
Was ist denn nun ein Künstler?
Der absurde Versuch, für besondere Handarbeiten Geld zu bekommen.
Der Versuch, für besondere Handarbeiten absurd viel Geld zu bekommen.
Ein Lottospiel mit wenigen Menschen als Entscheidern,
die imstande sind, etwas Geld umzuverteilen.
Ein Spiel mit ernsten Hintergründen:
Mit der Frage, ob ein Künstler von seiner besonderen
und oft absurden Handarbeit leben kann.
Mit der Frage, ob Kunst sich lohnt.
Mit verschieden ausgestaltetem Mut, Kunst anzubieten.
Ein Spiel mit dem Ruf an viel Publikum.
Ein Ernst mit nur seltenen Käufern.
Und da sind wir beim Umzug.
Da sind wir bei "Kunst im Karneval".
[Refrain 2]
Laufen wir los! Schauen wir uns um! Genießen wir,
im Umzug zu sein statt Zuschauer zu bleiben.
Wagen wir, verstecken wir, werben wir,
spielen wir und bleiben wir dabei erwachsen.
Wir sind Kunst. Vielfalt steckt da drin.
Wir sind Spiel mit Sinn.
[Vers 3]
Wir sind die laufende Ausstellung.
Wir sind wir selbst.
Wir dürfen aus vielen Mitläufern bestehen.
Wir bestehen im Umzug aus viel Werbung.
Verkaufsversuche dürfen stattfinden als Witz.
Wir sind Jongleure im Umzug
zwischen Kunstwitz und Kunstwerbung.
Bauen wir um. Nehmen wir es als Party.
Wir sind die laufende Künstlerparty in einer Veranstaltung,
die nicht von Kunst redet, keine Kunst sieht,
keine Kunst an dieser Stelle braucht.
Willkommen im Absurden.
Willkommen im Risiko, das aber so groß nicht ist.
[Refrain 3]
Laufen wir los! Schauen wir uns um! Genießen wir,
im Umzug zu sein statt Zuschauer zu bleiben.
Wagen wir, verstecken wir, werben wir,
spielen wir und bleiben wir dabei erwachsen.
Wir sind Kunst. Vielfalt steckt da drin.
Wir sind Spiel mit Sinn.
[Vers 4]
Die Mitmenschen mögen uns im Umzug, uns Künstler.
Wir stellen erstaunt fest, wie willkommen wir sind.
Wie erfahren, dass wir Abwechslung bieten.
Wir hören, dass Traditionen geschrumpft sind.
Wir sehen, dass wir passen.
Alle passen in diesen Umzug, die etwas aufbauen.
Denn die Welt ist morsch. Morsch von Kriegen,
morsch durch beharrlich gewachsene Verwaltung.
Morsch durch Leute, die Diktatoren bedienen.
Wir sind ein Wunder, wir Künstler.
Dass es uns gibt, ist ein Lebenszeichen.
Wir dürfen hier im Umzug weggehen von der
Anforderung, Geld zu verdienen. Wir gingen immer
hinaus über das Geldverdienen,
sonst wären wir Verwalter geworden
oder hätten uns vom Diktator einstellen lassen.
Als laufende Party sind wir da,
mit unserer Sonderbehauptung, mit auch Beispielen,
dass die Behauptung zutrifft, dass wir Künstler sind,
Künstler gemischt mit mitlaufenden
Freunden, die gerne Künstler wären, mit mitlaufenden
Partygästen, die am Besonderen ihren Spaß haben.
Wir sind eine zweistündige Kunst-Eröffnung.
Wir sind die Vernissage in der Stadtmitte.
[Refrain 4]
Laufen wir los! Schauen wir uns um! Genießen wir,
im Umzug zu sein statt Zuschauer zu bleiben.
Wagen wir, verstecken wir, werben wir,
spielen wir und bleiben wir dabei erwachsen.
Wir sind Kunst. Vielfalt steckt da drin.
Wir sind Spiel mit Sinn.
[Ausklang]
Wir sind Künstler. Wir sind etwas absurd.
Wir sind eine Strömung gegen Verfall, gegen Zerfall,
gegen Trägheit, gegen Abschlaffen.
Wir strömen dahin
Wir sind Spiel mit Sinn.
Vielfalt steckt da drin:
Wir sind Kunst!
Text und Musik: Chris Mennel
Musikalische Umsetzung:
YXXY.BAND |