Theorie
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Die erste Einsatzmöglichkeit eines durch die Region fahrenden "Artist Taxi" bot sich im Juni 2012, als das Treffen einer Internet-Community namens "I am We" näher rückte. Zahlreiche Gäste hatten die Stadt noch nie besucht, und die Community hatte einen Kunstanspruch. Diese beiden Gegebenheiten kreuzte ich zum Vorschlag eines Happenings aus dem Auto heraus, im Rahmen einer Besichtigung der Region.

Rechts steht der Text, den ich Anfang Juli 2012 für einen Flyer entwarf. In der Praxis kommunizierte ich meine Happening-Idee mündlich, und zu viert stiegen wir am 15.7.2012 ins Auto zu einer sehr abgespeckten Test-Tour. Erst zehn Monate später gab es dann ein Ding, von dem ich jubele: Ja, es war ein Happening!

 

Im Juni 2012 hatte ich für die Idee "Artist Taxi" im Internet recherchiert, was denn z.B. ein artistischer Wimpel am Auto kosten würde. Vereine beackern dieses Feld der Wimpel eifrig, und die Hersteller bieten faire Preise. Ein kleines "nur" steht aber dabei: Man muss nur eine druck- und webfähige Bildvorlage übergeben.

Da künstelte ich viel herum und blieb mehrere Monate lang ohne Ergebnis. Einen "Arto" als utopische Künstlerwährung hatte ich schon 2009 für den kunsthaltigen Betrieb einer "World Trade Bar"  vorgeschlagen - endlich am 26.8.2012 erstellte ich aus Arto-Motiv und verquirlter Deutschland-Flagge ein Wimpel-Design. Wie sagt doch Schakesbier so schön: "Sein oder Design, das ist hier die Frage."

Schon mal ein Happening mitgemacht? Ich auch nicht.

Das ist eine Kunstform aus dem letzten Jahrtausend und man kann das Lexikon dazu befragen. Nun habe ich aus ein paar Zufällen heraus etwas vor, das offenbar ein Happening ist: Für eine kurze Zeit treffen wir uns, bereiten das Treffen ein wenig vor, lassen dann aber dem Ereignis seinen Lauf.

Das Ereignis heißt „Artist Taxi“. Das Taxi fährt, läuft und fotografiert zweimal herum: Am Samstag den 14.7. studiert es den Abend von 20 bis 23 h. Am Sonntag den 15.7. befasst es sich mit dem Nachmittag von 13 bis 18 h.

Was ist denn an diesem Juli-Wochenende so besonderes? Da ist in der Galerie A Plus das erste „I am we user meeting“. Da treffen sich Menschen, die der Medienkünstler Wolf Helzle animiert hat, am Fototagebuch "interactive image" mitzuarbeiten. Ich bin da auch beteiligt. Da nun, wo meine Mitkünstler den Bürgersteig hochklappen, will ich noch weiter fahren. Und lade euch ein.

Hier sind meine Spielregeln für das Happening. Sie zeigen die Fahrtrichtung und sind keine Bibel:

Wir kleiden uns bewusst und nehmen Accessoires mit. Wir sind Touristen, Schauspieler, Alltagsmenschen, Verwalter, Befehlsgeber, Fachleute, Penner und wir selber.

Wir fotografieren uns. Wir teilen einander Wünsche zum Posen mit und sind zur Übernahme von Rollen bereit.

Natürlich fotografieren wir auch Dinge. Sogar ständig. Verschiedene von uns knipsen das gleiche Ding verschieden.

Wir verdichten die Zeit durch Fotografieren. Wir führen kein „Tage“-Buch. Ein Stundenbuch soll es werden, bei Laune sogar ein fotografisches Minutenbuch.

In ein Taxi passen vier Leute neben dem Fahrer. Also sind wir fünf, bei zwei Autos bis zu zehn Artisten. Das reicht auch wahrlich für die volle Breitseite an Fotos. Einer bis zweie sind Filmemacher, vier bis acht Artisten sind Fotografen.

Der Film soll solide gedreht werden, damit er zu den Fotos passt, die womöglich eingeblendet werden. Es darf also nur mit Stativ gedreht werden. Der Besuch und das Fotografieren einer Szene ist zuende, wenn die Szene auch filmisch erfasst wurde.

Wir besuchen nach Möglichkeit alles, was wir zu besuchen wünschen. Einen Vorschlag nach dem anderen fahren wir an, steigen aus, fotografieren und filmen. Wir können auch mal fünfhundert Meter zu Fuß gehen.

Soweit der erste Wurf und mit ihm diese Einladungs-e-mail. Falls euch der Samstag abend oder der Sonntag mittag oder beide Fahrten genehm sind, mailt mir doch bitte eure Zusage und was ihr sonst so meint.

Einen fetten Opel Astra als Taxi Nr. 1 stelle ich schon mal zur Verfügung. Ihr solltet einen digitalen Fotoapparat haben, zumindest ein fotofähiges Handy. Datentausch vor Ort sollte möglich sein. Als „Accessoires“ bringe ich 8 Sonnenbrillen und 8 Kappen mit.

Künstlergruß von     Chris Mennel