Happening
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Künstler, die aus dem Auto hüpfen und die belanglose Gegend parodistisch mythisieren:

Unwiederholbar gut: Die vierte Artist Taxi Aktion am 29.5.2013  "Wir wollen doch nur spielen"

Der Arbeitstitel des Projektes lautete "Mehrfach Halt im Pfaffenwald". Man gewöhnt sich irgendwann an Namen. Auch wenn sie irritierend sind. "Pfaffe" ist ja nun mal ein Schimpfwort. Aber der Schwabe schimpft ja viel mit dem Gebrauch solcher Wörter, mit dem Ziel, von oben nach unten zu blicken zu schaffen, herab auf Bekannte, Fremde und eben auch mal Pfaffen.

Das ursprünglich Zentrale der Idee "Artist Taxi" wurde mit einer einzigen Fahrt ausgeführt und dann auch gleich vom Tisch gewischt: So gering strukturiert geht das nur einmal, gestenhaft, und soll so nicht wiederholt werden: Dass merkwürdig gekleidete Menschen, ein jeder mit einem Fotoapparat oder einer Filmkamera in der Hand, zwei Autos füllen, einige hundert Meter fahren, aussteigen und Touristen spielen. Touristen mit einem Anspruch von Kunst, indem sie übertreiben, indem sie Belangloses würdigen, indem sie konsequent dokumentieren.

Es kommt aber keine Kunst bei solcher Tour heraus. Es kommt eine moderne Affenhorde heraus: Wir wissen nicht, wofür. Wir stecken halt in einer Party mit Spielregeln. Die Party ist sogar irgendwie gut, dadurch, dass sie sich von allen andern Partys, die je zuvor waren, unterscheidet, und möglicherweise auch einmalig so abläuft. Aber wir haben zuwenig Ziel. Wir sind alltagsenthoben, beinahe botschaftslos, ratlos aktionistisch.

Es kommt ein spontanes Theater heraus. Es entsteht dabei durch die vielen zugleich laufenden Kameras ein Film, sogar ein Film mit Verzweigungen, indem die Ergebnisse der Filmkameras in mehrere Filme nebeneinander verteilt werden. Ja, der Film und seine begleitenden Fotos sind wunderbar trashig. Ja, das Gesamtereignis ist verblüffend unterhaltsam - unterhaltsam für die kleine Gruppe von Konsumenten, die das Außerkommerzielle liebt und Unprofessionelles toleriert.

Indem die Erstaktion gleich ein visueller und filmischer Erfolg war, indem sich abzeichnet, dass schon nach der ersten Tour kaum weiteres Erweiterndes, stattdessen weitgehend Vergleichbares und mit einiger Wahrscheinlichkeit weniger Spritziges herauskommt, meißelt sich diese flatterige schnelle Artist-Taxi-Fahrt schon in Beton: Das war unser geniales eines erstes Happening.

Und auf geht es zu präziseren Ufern, mit zynischen Fahrtzielen, die sich in jeder Stadt spielend finden lassen. Mit pseudotouristischen Handlungen, die jeder Mensch auf zwei Beinen mitmachen kann. Mit einer Zuwendung zum direkten Erlebnis, mit weniger Absicht der Dokumentation. Mit einem Auftrag, mit einem Fahrziel des Taxis: Wir besuchen eine Kunstausstellung von Chris Mennel.

Die Aktion im Pfaffenwald, angesichts des Ergebnisses umgetitelt in "Wir wollen doch nur spielen" hat geknallt. Hat gelallt. War ein ergiebiger Aufenthalt.
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Hier sind die Aufnahmen mit der HD-Hauptkamera von unserem Ausflug unter dem Motto "Führung für japanische Touristen". Wir waren ja gar keine Japaner - nur einer von uns sprach immerhin japanisch. Es ging vielmehr darum, in vertrautem Gelände nachzuvollziehen, wie eine Welt, wenn sie für Touristen erklärt wird, völlig verfremdet werden kann. Deshalb erklärten wir uns für Touristen aus einem fernen Land. Für Deutsche ist das am ehesten Japan. Wir logen nun das Blaue vom Himmel, was bitteschön die Objekte um uns herum seien und bedeuteten.

Das ganze geht durch als Studentenulk, und wurde auch in diesem Stil durchgezogen. Nichtsdestotrotz trägt es ein Nachdenken in sich über das Verschieben von Weltwahrnehmung durch Erklärungen, über die potentielle Absurdität von Erklärunsversuchen der Welt, und über den Abstand des Touristen von einer Lokalität.

Unter dem Motto "Wir wollen doch nur spielen" ist der Ausflug ein künstlerisches Happening. Es ist als Witzausflug getarnte Botschaft. Leichtfüßig unterläuft er erstens hohle Standards im Bereich der Touristenverarschung und umfährt zweitens das typische Pathos von Kunstaktionen. Also es war schön und darf unwiederholt bleiben, wie wir hier Party machten, über uns und den Tourismus lachten und über Kunst gar nicht erst nachdachten.